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  • AutorenbildSarah Leuenberger

Mindelo – eine Stadt zum Verweilen

Bei all meinen Besuchen auf den Kapverden, sei es privat oder mit Gruppen, habe ich mich in der Hafenstadt Mindelo immer sehr wohl gefühlt. Die vielen farbigen Kolonialbauten der Portugiesen sind ein wahrer Blickfang. Ob Gewürze, fangfrischer Fisch, Ziegenkäse oder Papayas, auf den lebendigen Märkten lässt es sich am besten einkaufen. Möchte man trotzdem mal auswärts essen, hat man die Qual der Wahl. Die Stadt bietet sooo viele tolle Restauraunts, meistens ohne richtiges Dach, dafür aber mit musikalischer Begleitung. Und nicht zuletzt hat es mir der farblich unbeschreiblich schöne Stadtstrand Laginha angetan. Ich kann mich kaum satt sehen an dem weissen Sand und dem türkisblauen Wasser.

Mindelo eignet sich bestens für europäische Afrika-Neulinge. Ein interessanter Mix zwischen den zwei Kontinenten; einerseits quirlig, bunt und laut, aber eben doch auch sehr übersichtlich und modern. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich in einem Café Vegi Bowls und Co-Working Spaces für digitale Nomaden sah.

Kurz: trotz den 70'000 Einwohner fühlt man sich schnell wie zu Hause, das Zentrum ist überschaubar und man trifft immer wieder auf die gleichen Leute. Natürlich tragen dazu auch die äusserst gesprächigen und sympathischen Mindelenser bei. Die Entscheidung, einen Monat „Familienhoneymoon“ in genau dieser Stadt zu verbringen, fiel uns darum gar nicht schwer.


Reisen mit Kindern empfinden viele Eltern als anstrengend und sie bleiben darum lieber zu Hause in der Komfortzone. Wenn man genug Zeit mitbringt, um richtig anzukommen, einzutauchen und den neuen Rhythmus findet, dann schafft man unvergessliche Momente für die ganze Familie, welche sicherlich auch die kleinen Toddlers prägen werden.

Für andere reisefreudige Familien teile ich hier gerne unsere Erfahrungen und einige Tipps:

 


Kinderspielplatz mal anders

Ich fand es äusserst interessant, wie sich die einheimischen Kinder auf dem einzig nennenswerten Spielplatz in der Stadt ( Nhô Roque) verhielten. Einerseits sind die Bereiche nach Altersklassen aufgeteilt und der Guarda (Aufseher) kommt also ziemlich schnell angesprungen, wenn sich unwissende Mütter (wie z.B ich) mit dem Sohnemann auf die „Gigampfi“ setzen. Der Umgang der Kinder untereinander dünkt mich sehr sozial und auch die Sache mit dem „Teilen“ - seien es Spielsachen oder Esswaren, scheint hier besser zu klappen. Geschweige denn von den motorischen Fähigkeiten, denn das ein Kind alleine mal so flink einen Baum hochklettert, sieht man in Europa tatsächlich nicht mehr viel. Unser Sohn war keine fünf Minuten alleine und schon kam irgendjemand angerannt und wollte mit ihm spielen. Mit der Zeit kannten wir viele Kinder und deren Eltern bei Namen, denn es waren tagtäglich die gleichen. Unser Sohn spricht heute noch von seinen Freunden Levi, Brandly und Jayson.

 


Laginha Beach

Der weisse Sand und das türkisfarbene Wasser dieses Stadtstrandes sind einfach einmalig.

Am besten läuft man ganz ans Ende des Strandes, unterhalb vom Restaurant Caravelha, wo die Einheimischen baden. Es hat am wenigsten Wind und man ist etwas geschütz von den Wellen. Wenn man schwimmen geht, bittet man jemanden, kurz auf die Tasche aufzupassen.

Leider hört man immer wieder von Diebstählen am Strand. Vielfach war ich im leicht erhöhten Restaurant Caravelha zum Stillen oder einfach nur einen Café trinken. Man geniesst einen wunderbaren Blick über den ganzen Strand und es gibt leckeres Kamoka Eis.

Das Caravelha ist Café, Restaurant und Nachtclub zugleich. Wir haben das gemütliche Sonntagmorgen Programm dem Nachtleben vorgezogen. Immer ab 11 Uhr vormittags gibt es Live Musik. Am besten man lässt sich dazu eine nährende Catchupa Guisada servieren und geniesst das einmalige Ambiente.

 


CNAD – Centro Nacional de Arte, Artesanato e Design

Da unsere kleine Maus noch viel geschlafen hat, konnte ich auch einigen kulutrellen Aktivitäten nachgehen. Die Fassade des geschichtsträchtigen Gebäudes der CNAD sticht wohl jedem Touristen zuallererst ins Auge. Die bunten Farbdeckeln machen logischerweise Sinn für ein Kunstmuseum, dahinter versteckt sich aber noch eine ganz andere Botschaft, welche mit der Migrationsgeschichte der Kapverden zusammenhängt. Das Museum bietet spannende Einblicke in Kultur, Kunsthandwerk und Geschichte des Landes. Junge Kuratoren geben gerne Auskunft bei Fragen. In der Galerie nebenan werden die Werke populärer Künstler ausgestellt.

 

 

Kinderstrand Baia das Gatas

Von Mindelo aus erreicht man die wunderschöne Badebucht in ca.25 Minuten. Am besten man sucht sich einen Tag unter der Woche aus, denn am Wochenende kommen die Locals mit ihren Kindern in die Ortschaft, die mehrheitlich aus wirklich schönen Ferienhäusern besteht.


An der Bucht selber hat es zwar genug Platz für alle, aber die wenigen Restaurants im Ort sind schnell überfordert. Selbst Verpflegung mitbringen ist sicher eine gute Idee, wenn man nicht stundenlange auf ein Menü warten möchte.


Für die Kinder ist der Strand wie eine Badewanne, man kann ellenlang hinauslaufen, ohne dass es tief wird.



Das ganz besondere Mitbringsel

Bei der zentral gelegenen Hilfsorganisation OMCV (Organização das Mulheres em Cabo Verde) werden Frauen in verschiedenen Lebenslagen unterstütz. Diese bietet  z.B Ausbildungen für Näherinnen oder Kosmetikerinnen an und verfügt über entsprechend ausgerüstete Räumlichkeiten. Monatliche Events werden auf Facebook angepriesen, so zum Beispiel der Catchupa - Samstag, wo man sein MIttagessen für einen guten Zweck kauft. Die Preise sind "lokal", das heisst man wird sicher nicht abgezockt und unterstütz mit dem Kauf davon die Organisation. In einem kleinen Shop findet man die von den Frauen hergestellten Artikeln - Kleider, Geldbeutel, Schlüsselanhänger, Puppen und alles mit den farbigen afrikanischen Mustern. Wer sicher gehen will, dass sein Souvenir zu 100% kapverdianisch ist, der ist hier goldrichtig.

 


Die kreative Köchin

Mindelo ist eine lebendige Stadt und es gibt viele tolle Restaurants im Zentrum, wo man abends hingehen kann, gut isst und Live Musik hören kann. Mit den Kindern waren wir abends natürlich meistens zu Hause. Mein Mann liebte es, auf dem Fischmarkt einzukaufen und uns abends ein feines Menü hinzuzaubern. Auf genau diesem Fischmarkt (Mercado do Peixe) lernte er die Besitzerin und Köchin eines Restaurants kennen; Dona Tchicau. Sie lud uns in ihr Restaurant ein und wir folgten ihrer Einladung. Es befindet sich im Stadtteil Alto Solarino, leicht erhöht an einer steilen Strasse mit ein paar bellenden Strassenhunden. Sie bietet täglich ein Degustationsmenü zu einem fairen Preis an (Fleisch und Fisch, für Vegis gibts einfach nur die Beilagen). Sie hebt sich durch ihre interessanten, leckeren Saucen und gewagte Verschmelzungen von lokalen Produkten ganz klar von den anderen 0815 Restaurants ab. Ihre Hingabe und Liebe zum Essen ist deutlich spürbar. Zudem gefiel uns das ganze Ambiente mit der Live -Musik sehr gut. Einziger Nachteil: das Restaurant ist leider kein Geheimtipp mehr. Wer einen Tisch auf sicher haben will, sollte besser vorher reservieren.




Kinderfreundlich und "sicher"

Ich würde die Kapverden als sehr familienfreundlich einstufen. Natürlich kann man nicht erwarten, dass es Kindersitze, Wickeltische und alle Annehmlichkeiten, welche wir aus Europa kennen, gibt. Die innovativen Afrikaner haben aber immer für alles irgendeine Lösung.

Und: sie mögen Kinder sehr gerne - vorallem Blondlinge sind eine Besonderheit hier.

Würde man die Einheimischen fragen, dann würde ihre Antwort bezüglich Sicherheit in Mindelo sehr negativ ausfallen. Die Armut steigt und man hört vermehrt wieder von Überfällen...nichts desto trotz haben wir uns immer sehr wohl gefühlt und gingen nie verängstigt durch die Strassen. Abends haben wir jeweils ein Taxi genommen, um sicher nach Hause zu kommen.

Wir haben in einem guten Viertel in der Nähe des Polizeipostens gelebt.


Mindelo, eine Stadt die wir sicherlich nicht das letzte Mal besucht haben. Nun wünsche ich allen, die es uns gleichtun recht viel Freude beim Entdecken und vorallem Geniessen.


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