• Sarah Leuenberger

Botanische Leckerbissen

Die Flora Madeiras lässt Botaniker-Herzen schon seit eh und je höher schlagen. Beim Bestaunen der prächtigen Gärten der Einheimischen wird man schon fast neidisch. Jeder scheint hier einen grünen Daumen zu haben und alles hervorragend zu gedeihen.

Die Vulkaninsel bietet dank dem ausgeglichenen Jahresklima, der fruchtbaren Erde, den Höhenunterschieden und Mikroklimazonen Lebensraum für eine unglaubliche Pflanzenvielfalt.


Was stammt tatsächlich aus Madeira?

Nur etwa 16% der Pflanzen sind endemisch und wachsen sonst nirgends auf der Welt. So zum Beispiel der „Stolz Madeiras“ (Echium candicans), welcher sich im blau-violetten Farbton an felsigen Hängen ab einer Höhe von ca. 800m präsentiert.

Blühender Echium Candicans auf der Hochebene Paúl da Serra.

Alle anderen Pflanzen wurden im 18.Jahrhundert hergebracht, wobei der Hafen Madeiras als Umschlag -und Rastplatz auf weiter Übersee eine wichtige Rolle spielte. Britische Kaufleute zum Beispiel klimatisierten sich auf Madeira zuerst an, bevor sie die Reisen in ihre Kolonien fortsetzten. Bei der Rückkehr brachten sie verschiedene exotische Pflanzen aus Übersee mit. Als Volk der Emigranten sind die Madeirenser heute noch auf der ganzen Welt zerstreut. Nicht selten wurden bei Besuchen in der alten Heimat Strelizien, Proteas und Agapanthus aus Südafrika, der Flammenbaum aus Australien und der Korallenbaum aus Brasilien mitgebracht.


Popcorn-Kassie

(Senna Didymobotrya)

Kinofeeling ist beim Berühren der Popcorn-Kassie garantiert! Als Popcorn Liebhaberin zieht mich der goldgelbene Kassie Strauch an wie ein Magnet.

Die imposanten, bis zu 30cm langen Blütenkerzen riechen intensiv nach Popcorn. Heimisch ist die Kassie in Ostafrika und mittlerweile im Mittelmeerraum sehr verbreitet. Auf Madeira findet man die Popcorn-Kassie vor allem in den öffentlichen Parks.

Leberwurstbaum (Kigelia Africana)

"Never rest under a sausage tree!" - dieses afrikanische Sprichwort sollte man ernst nehmen. Die Früchte des Baumes können bis zu 10kg schwer sein und tun wohl ganz schön weh, wenn sie einem auf den Kopf fallen. Ausserdem sind sie Nahrung für Elefanten und Giraffen im westen Afrikas. Für den Menschen sind die fleischigen Früchte allerdings ungeniessbar, dafür werden sie aber in der afrikanischen Volksmedizin und Magie verwendet. Nicht nur Rheuma, Schlangenbisse und Syphillis sollen damit geheilt sondern auch die bösen Geister vertrieben werden. Die weinroten, glockenförmigen Blüten hängen in lockeren Rispen an langen Stilen. Eindrückliche Exemplare findet man im Jardim Municipal von Funchal oder in der Nähe des Ratshauses in Ribeira Brava.


Brasilianischer Kapokbaum (Ceiba Speciosa)

Mein botanisches Highlight im Herbst auf Madeira ist der wunderschön pink blühende Kapokbaum aus Brasilien. Immer wenn es heftig windet in Funchal, findet man die vielen weissen Samenhaare am Boden. Kapok sieht der Baumwolle ähnlich und wird als Füllmaterial für Schwimmwesten, Rettungsringe oder Matratzen verwendet. In Asien wird der „echte Kapokbaum“ auf Plantagen noch kultiviert und kommerziell genutzt. Besonders auffällig sind die kegelförmigen Stacheln am Stamm und Ästen des Baums.


Auf Madeira gibt es unzählig schöne Parks und Gartenanlagen. Zu den bekanntesten gehören der Jardim Tropical in Monte und der Botanische Garten in Funchal. Aber auch die Stadtparks (Jardim Municipal, Parque St.Catarina) sind gut zu Fuss erreichbar, kostenlos und einen Besuch wert. Wer sich besonders für Orchideen interessiert, wird in der Quinta da Boa Vista fündig.


Hier gehts zur Übersicht aller Garten und Parkanlagen auf Madeira.


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